Zertifikate Trading zur Geldanlage

Wer sich Zertifikate etwas näher anschaut, wird alsbald überlegen, inwieweit sich diese für eine langfristige Geldanlage eignen. Das Fazit sei vorab gezogen: Zertifikate sind durchaus eine sehr brauchbare Geldanlage, wenn sie richtig ausgewählt werden.

Möglichkeiten der Geldanlage mit Zertifikaten

Da es die unterschiedlichsten Zertifikate gibt, muss der Anleger vorab genauestens überlegen, was er eigentlich möchte. Die meisten Zertifikate gelten als riskant und sind es in vielen Fällen auch, aber nicht in jedem Fall. Es gibt nämlich Zertifikate mit Kapitalschutz (zum Beispiel erhält der Anleger mindestens 80 Prozent seines Einsatzes zurück), aber auch mit begrenzten Gewinnchancen (diese liegen beispielsweise bei maximal 40 Prozent). Wer nun diese Zahlen mit der klassischen Geldanlage auf dem Festgeldkonto vergleicht, findet den möglichen Gewinn sehr attraktiv, das Risiko erscheint aber vielleicht hoch. Wenn die Überlegung in diese Richtung führt, sind Zertifikate wahrscheinlich nicht die richtige Geldanlage für diese Person. Die meisten Zertifikate sind nämlich a) wesentlich riskanter (es droht ein schneller Totalverlust) und b) viel gewinnträchtiger.

Top oder Flop ist bei der Geldanlage mit Zertifikaten immer zu erwarten. Ein einfaches Beispiel soll das aufzeigen: Wer zum Beispiel Zertifikate als Geldanlage auf den Dax gewählt hätte und im September 2013 beim Überschreiten der 8.500-Punkte-Marke mit einem relativ sicheren Zertifikat eingestiegen wäre, nämlich beispielsweise mit einem Knock-out mit der K.o.-Schwelle bei 7.500 Punkten, würde sich heute, am 27. März 2014, über eine Verdoppelung seines Einsatzes freuen. Es wäre natürlich auch noch besser, gleichzeitig aber riskanter gegangen: Der Anleger hätte auch einen Knock-out mit der Untergrenze bei 8.000 Punkten wählen können, der Einsatz hätte sich bis heute verdreifacht. Je näher die K.o.-Schwelle gewählt worden wäre, desto gewinnträchtiger, aber auch riskanter wäre diese Geldanlage mit Zertifikaten gewesen.

Wahl des richtigen Zertifikats für die Geldanlage

Für die Geldanlage mit Zertifikaten müssen deren Eigenschaften bekannt sein. Klassische Optionsscheine etwa verlieren zum Laufzeitende hin sehr stark an Wert und lohnen sich daher nicht für die langfristige Geldanlage. Allerdings können sie auch nicht wie Knock-outs oder CFDs wertlos verfallen. Viele Trader setzen wenigstens vorübergehend auf Zertifikate als Geldanlage und stolpern dann über solche Phänomene. Von klassischen Optionsscheinen muss tatsächlich strikt abgeraten werden, sie sind in ihrer Entwicklung nicht zu berechnen, schon gar nicht auf lange Sicht. Es gibt sie auch mit sehr langen Laufzeiten von über zwei Jahren. Jedoch verläuft ihr Kurs nicht nur laufzeit-, sondern auch volatilitätsabhängig, in jedem Fall werden sie nach und nach immer wertloser. Als Faustregel darf gelten: Wenn ein Optionsschein bei einem Dax-Stand von 9.200 Punkten heute einen Euro kostet, wird er – unabhängig von seiner Laufzeit – in einem halben Jahr bei diesem Kursstand in jedem Fall viel weniger kosten.

Knock-outs und CFDs laufen 1:1 mit dem Kurs mit, allerdings unterliegen sie ebenfalls (oft unterschätzten) Finanzierungskosten. Hier gilt die Faustregel: Sie verlieren pro Tag etwa einen Cent (beim Dax wäre das ein Punkt im Indexstand) an Wert. Das ist aber keine eherne Regel und muss beobachtet werden. Es bedeutet zum Beispiel, dass ein Knock-out für 10 Euro – das wäre der oben erwähnte Schein mit der Absicherung von 1.000 Punkten – nur ein Promille pro Tag an Wert verliert, beim Ein-Euro-Schein ist es schon ein Prozent. Auch aus diesem Grund eignen sich für die Geldanlage in jedem Fall etwas teurere Zertifikate. Ein Gewinn von 100 Prozent in einem halben Jahr dürfte vielen Sparern als Geldanlage vollends genügen.

Verhalten bei der Geldanlage mit Zertifikaten

Wenn Sparer auf Zertifikate als Geldanlage setzen, sollten sie mehr als bei anderen Anlagen daran denken: „Hin und her macht Taschen leer.“ Das klingt sehr banal, ist aber wahr. Es ist hier eine strikte Unterscheidung zwischen aktivem Trading und der Geldanlage zu treffen. Die Sparer müssen sich vorab ihr Risiko überlegen, dann die passenden Zertifikate wählen und schließlich das machen, wozu eine Geldanlage gut ist: liegenlassen.

Zertifikate und ihre Tücken

Knock-out-Zertifikate gehören zu den meist gehandelten Turbos an den Börsen dieser Welt. Das wird häufig übersehen, denn die für Trader sichtbare Werbung für Zertifikate dreht sich fast immer nur um CFDs. Der Hintergrund: CFDs erfahren keine öffentlich publizierte Kursstellung wie praktisch alle anderen Wertpapiere. Die emittierenden Broker treten meistens als Market Maker auf, platzieren also ihre CFDs selbst und übermitteln an ihre Trader den Datenfeed, nicht aber an die Börsen in Frankfurt und Stuttgart, auch nicht an kostenlose Plattformen wie ariva, finanzen.net oder godmodetrader.de. CFD Trader sind also auf die Kursstellung allein ihres Brokers angewiesen und haben im Verlustfall kaum eine Chance, den wirklichen CFD-Preis auf anderen, unabhängigen Portalen zu kontrollieren. Im Gegenzug dürfen sie die CFDs kosten- und manchmal sogar spread- und marginlos handeln.

Das zieht unerfahrene Trader an und all diejenigen mit kleinen Konten, denen schon die Turnround-Gebühr von mindestens 10 bis 12 Euro beim Knock-out-Trading zu viel ist. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, jedoch orientieren sich erfahrene Trader lieber auf mehreren voneinander unabhängigen Plattformen und wählen daher lieber einen Knock-out, auch wenn das Gebühren kostet. Den K.o.-Schein können sie überall verfolgen. Sind nun Knock-out-Zertifikate sicherer? Mitnichten, meinen Experten. Wenn das Zertifikat die K.o.-Schwelle erreicht, kann der Emittent ruhigen Gewissens und vollkommen legal ein wenig nachhelfen – er kündigt dies sogar im Prospekt an.

Zertifikat kurz vor dem Ausknocken

Zertifikate entfalten ihre größte Wirkung, wenn sie sehr billig sind und kurz vor der K.o.-Schwelle notieren. Der Hebel wächst dann ins Uferlose, denn er errechnet sich aus dem Preis des Zertifikats im Verhältnis zum Kursstand des Underlyings. Ein Beispiel: Sollte ein Zertifikat nur noch wenige Cent von der K.o.-Schwelle entfernt sein und etwa als K.o.-Schein nur noch 30 bis 50 Cent kosten (mit rund 10 bis 15 Cent sind die meisten dieser Zertifikate k.o.), dann steigt der Hebel leicht auf einen Wert zwischen 1.200 bis 1.600. Wenn das Underlying sich nun um einen Punkt im Preis bewegt, entspricht das einer Bewegung im Zertifikat um etwa einen Cent – die meisten Knock-outs auf den Dax sind so konstruiert -, die mehr als das Tausendfache im prozentualen Verhältnis zwischen Zertifikatepreisveränderung und Underlyingpreisveränderung ausmacht. Das verlockt die Trader, die zwar nicht genau nachrechnen (in Wahrheit schaut kaum jemand auf den Hebel), jedoch die Performance fühlen können: Yeah, denken sie, wenn der Dax heute nur um 30 Punkte steigt, was todsicher zu erwarten ist, ist mein Zertifikat für 30 Cent das Doppelte wert. Ich kann 100 % in ein paar Minuten machen. Ist das gefährlich? – Ist es, und zwar nicht nur wegen der schwer zu berechnenden Dax-Bewegungen.

Was macht der Emittent mit dem Zertifikat?

Jeder Emittent, der Zertifikate herausgibt, hedgt sich oder sollte sich zumindest hedgen – bei den CFD-Brokern weiß man das nicht so genau (siehe oben). Er geht also Gegenpositionen zum Nettoüberhang an Call- oder Putpositionen ein, sollte damit nichts verlieren, wenn der Trader gewinnt, und auch nichts gewinnen, wenn der Trader verliert. Sein Gewinn besteht aus Spread und Gebühren. Sobald das Zertifikat – in diesem Fall ein Knock-out – sich seiner K.o.-Schwelle nähert, lösen viele Emittenten sukzessive ihren Hedge auf. Eigentlich sollte das erst automatisch beim Erreichen der K.o.-Schwelle oder dem Auflösen der Trader-Stopps passieren, jedoch die Emittenten rechnen mit Slippage (Differenz zwischen Buchungs- und Ausführungskurs) und bereiten sich daher in vielen Fällen auf den K.o. vor.

Wenn dieser aber droht nicht einzutreten, sondern der Kurs kurz vor dieser Schwelle wieder dreht, droht dem Emittenten ein Verlust – ihm fehlt nun der Hedge. Er könnte ihn neu aufbauen, jedoch würde das bei nun gestiegenem Kurs teurer. Das bringt die Emittenten in die Versuchung, doch in illiquiden Märkten schnell selbst eine große Verkaufsorder zu platzieren, die den Kurs unter die K.o.-Schwelle ihrer Trader drückt – was legal ist und worauf sie im Prospekt für das Zertifikat mit der Formulierung „Emittent tätigt selbst Geschäfte im Basiswert“ oder dergleichen verweisen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Zertifikate: Nutzen im Daytrading?

Es gibt die unterschiedlichsten Zertifikate, die historisch entstanden sind. Sie dienten immer und dienen noch der Absicherung (Hedging) von Rohstoff-, Aktien- oder Währungspositionen, daneben waren und sind sie immer ein eigenes Spekulationsobjekt. Die ältesten Zertifikate sind die Optionsscheine, die es in Vorläuferformen bereits vor Jahrhunderten und unter Umständen sogar schon vor Jahrtausenden gab.

Man vermutet, dass bereits im alten Ägypten zu Pharaonenzeiten Optionen auf einen steigenden oder fallenden Goldkurs gehandelt wurden. Selbst die modernen, inzwischen als klassisch geltenden Optionsscheine stammen in ihrer mehr oder weniger aktuellen Form aus dem späten 19. bis frühen 20. Jahrhundert. Dabei blieb es mehr als einhundert Jahre lang, erst im 21. Jahrhundert wuchs der Markt der Zertifikate rasant.

Unterschiedliche Zertifikate: Was fangen Trader damit an?

Nach wie vor werden sehr aktiv die klassischen Optionsscheine gehandelt. An der deutschen Börse stehen allein auf den Dax börsentäglich rund 135.000 Zertifikate zur Verfügung, darunter etwa:

  • 35.600 klassische Optionsscheine
  • 30.000 Knock-outs
  • 41.000 Bonus-Zertifikate
  • 16.000 Discount-Zertifikate
  • 6.800 Capped Optionsscheine
  • 3.200 exotische Optionsscheine

Weitere Zertifikate sind Tracker-, Express-, Kapitalschutz-, Outperformance-, Sprint- und Twinzertifikate, es gibt noch mehr Sorten. CFDs und Binäre Optionen werden hierunter noch gar nicht erfasst, weil ihre Kurse auf unabhängigen Börsenseiten nicht feststellbar sind. Der Zertifikateanleger kann mit jedem dieser Zertifikate etwas anderes anstellen. Er kann simpel mit einem Knock-out oder CFD auf den 1:1 gehebelt abgebildeten Kurs eines Underlyings (des zugrunde liegenden Basiswertes) setzen, ebenso kann er sich per Bonus-Zertifikat einen Bonus auszahlen lassen, wenn der Kurs über oder unter einem bestimmten Preisniveau endet, er kann ebenso bei einem Discount-Zertifikat sein Kapital bis zu einer Untergrenze bewahren, aber bei entsprechender Kursentwicklung einen Zusatzgewinn generieren. Kapitalschutz-Zertifikate funktionieren ähnlich. Im Einzelnen ist die Berechnung so eines Zertifikats manchmal sehr komplex, allein die griechischen Kennzahlen klassischer Optionsscheine, die sich auf die Kursentwicklung bei steigender oder fallender Volatilität oder zum Laufzeitende hin beziehen, sind von Hand praktisch nicht zu berechnen. Warum gibt es diese Vielfalt, und wie gehen Trader mit Zertifikaten um?

Zertifikate für jeden Geschmack

In der Praxis findet jeder Anleger für jede Art der Spekulation ein passendes Zertifikat. Sie glauben, der Dax könne noch ein wenig steigen, würden gern davon profitieren, wissen aber nicht, wie weit er steigt? Gleichzeitig möchten Sie Ihr Kapital bis zu 80 Prozent schützen? Dann wäre das Discount-Zertifikat das Richtige für Sie. Die zahlen den geringen Zertifikatepreis, der bis zu einem Höchstbetrag steigen kann, wenn der Dax tatsächlich steigt. Sollte der Dax noch weiter steigen, haben Sie zwar nichts davon, Ihr Gewinn wird begrenzt. Der Verlust kann aber auch auf beispielsweise 80 Prozent Ihres Einsatzes begrenzt werden, während der Gewinn durchaus etwa 30 oder 40 Prozent betragen kann.

Es steht also ein Risiko von 20 Prozent einer Gewinnchance von vielleicht 40 Prozent gegenüber. Diverse solcher Konstruktionen haben Finanzmathematiker ersonnen, um den Wünschen von Anlegern entgegenzukommen, die sehr unterschiedliche Risikoprofile mitbringen. Am meisten diskutiert werden zwar CFDs, Knock-outs und Binäre Optionen, weil hier die rasantesten Bewegungen inklusive Gewinn- und Verlustmöglichkeiten stattfinden. Jedoch sind die sonstigen Möglichkeiten schier grenzenlos. Trader sollten sich daher gelegentlich im Zertifikatemarkt umschauen und evaluieren, ob nicht eine spezielle Art von Zertifikaten zu ihrem Risikoprofil und zur gegenwärtigen Marktsituation ganz gut passt.

Wie kommt ein Trader zu bevorzugten Zertifikaten?

Viele Trader entscheiden sich am Anfang ihrer Karriere für eine bestimmte Art von Zertifikaten und bleiben dann dabei. Das liegt am Handling, das beherrscht werden muss, und am spannenden Börsengeschehen, das den Trader mit einer Art von Zertifikaten und oft sogar mit einem präferierten Wert genug beschäftigt. Dennoch kann es sich lohnen, gelegentlich über den Tellerrand zu schauen und möglicherweise auf das eine oder andere Zertifikat zu setzen, das man bislang nicht im Fokus hatte.

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