Weekly Options Trading

Weekly Options – oder einfach Weeklys, sind eine neue, erst seit wenigen Jahren verfügbare Kategorie von „normalen“ Optionen, die im Gegensatz zur herkömmlichen Standard Optionen eine Restlaufzeit von nur einer Woche aufweisen. Dadurch ergeben sich für aktive Trader völlig neue Handelsmöglichkeiten, wobei es neben einer Vielzahl von Vorteilen auch einige Nachteile zu beachten gilt. Interessierte Händler bekommen einen ersten Einblick in die Welt der „Wochenoptionen“ Auch konkrete Strategien werden vorgestellt, die man mithilfe dieser Optionen umsetzen kann.

Was sind Weekly Options?

Weekly Options unterscheiden sich von herkömmlichen Optionen durch ihre relativ kurze Lebensdauer. Während Letztere mit Restlaufzeiten von mehreren Wochen bis mehreren Jahren ausgestattet sind, beträgt die Restlaufzeit der Weeklys nur wenige Handelstage. Weekly Options werden üblicherweise jeweils an einem Donnerstag gelistet und verfallen am Freitag der folgenden Woche. Der einzige Zeitpunkt, für den keine Weekly Options aufgelegt werden, ist immer die Woche mit einem ,normalen Verfallstag“ an dem ohnehin die Standardoptionen verfallen. Während eines Handelsmonats gibt es nun statt wie bisher einer Optionslaufzeit an jedem Freitag einen Verfallstag einer Optionsserie. Weeklys besitzen – außer der kurzen Laufzeit – die gleichen Ausstattungsmerkmale wie herkömmliche Puts und Calls.

Weeklys Trading Volumen

Geschichte der Weekly Options

Erstmals wurden Weekly Options im Oktober 2005 an der Chicago Board Options Exchange (CBOE), der größten US-Optionsbörse, gelistet. Anfangs gab es lediglich vier Basiswerte für die neuartigen Wochenoptionen: SPX (S&P 500), XSP (Mini S&P 500), OEX (S&P 100) sowie den XEO (Euro S&P 100).

Diese Optionen waren alle ausschließlich mit einem Cash Settlement (zu Deutsch: Barausgleich) versehen. 2010 wurden dann erneut an der CBOE erstmals Weeklys auf ETFs sowie auf einzelne Aktien eingeführt.

Die ersten Aktien als Basiswerte waren Bank of America (BAC), Apple (AAPL), Citigroup (C) sowie British Petroleum (BP).

Im Laufe der Zeit wurden dann von Seiten der CBOE immer mehr Weeklys auf verschiedene Basiswerte aufgelegt- aktuell sind es bereits mehrere hundert. Das Handelsvolumen in diesen Produkten nahm zuletzt stetig zu. Mittlerweile generiert die CBOE nahezu 20 Prozent ihres Handelsvolumens über Weekly Options.

Neben der CBOE haben in den letzten Jahren auch andereTerminbörsen die Vorteile kurzlaufender Optionen erkannt und entsprechende Produkte lanciert. So bietet etwa die ebenfalls in Chicago ansässige CME Group mittlerweile Weekly Options auf Agrarprodukte (Fleisch, Getreide), Zinsprodukte (Bonds, Notes) und Indexoptionen (S&P 500) an. Und auch die hierzulande bekannte Eurex hat den Handel von Weekly Options zwischenzeitlich in ihr Programm aufgenommen.

Warum Weekly Options?

Die Motivation hinter dem Listing kurzlaufender Optionen mag sich auf den ersten Blick nicht erschließen. Bei genauerer Betrachtung wird aber deutlich, dass hinter dem explosionsartigen Anstieg derVolumina besonders in den USA mehr stecken muss als reines Marketing. Betrachten wir daher die Motivation des Handels kurzlaufender Optionen aus dem Blickwinkel der verschiedenen Marktteilnehmer.

Weeklys für Stillhalter

Ein allen Optionen innewohnender Bestandteil ist die Tatsache, dass sich der Preis einer Option aus dem Inneren Wert und dem Zeitwert zusammensetzt. Der Zeitwert ist eine sich ständig verringernde Größe, da eine Option mit sich verkürzender Restlaufzeit einen immer geringeren Zeitwert aufweist.
Besonders dieser Zeitwertverlust ist es, der vielen Optionshändlern entweder als Vorteil dient (Stillhalter) oder sich nachteilig auf eine Strategie (Optionskäufer) auswirken kann.

Bekannt ist, dass der Zeitwertverfall zwar schon mit dem ersten Handelstag einer Option einsetzt, sich dieser aber insbesondere in den letzten Wochen und Tagen sehr stark erhöht. So weisen Optionen in den letzten 30Tagen ihrer Laufzeit einen prozentual deutlich höheren Zeitwertverfall auf als beispielsweise zwischen dem 90. und 60. Tag ihrer Restlaufzeit.

Weekly Options besitzen – aus Sicht des Stillhalters – den Vorteil, dass aufgrund ihrer sehr kurzen Restlaufzeit der Zeitwertverfall prozentual sehr hoch ist, da das Ende der Laufzeit der Option sehr nah ist. Daher sind Weeklys für Optionsverkäufer durchaus interessant.

Die Sillhalter Strategie

Ein Stillhalter verkauft Optionen, um mit der daraus eingenommenen Prämie einen Gewinn zu erzielen. Er spekuliert darauf, dass der Preis des Basiswertes (Aktie, ETF, Future) bis zum Verfallstag der Option nicht über den Basispreis der verkauften Option (bei einem Call) steigt beziehungsweise unter den Basispreis der verkauften Option (bei einem Put) fällt. Er ist daher vorrangig am Zeitwertverfall der Optionen interessiert.

Weeklys für Optionskäufer

Aber auch Käufer von Optionen können durch den Handel von Weekly Options profitieren. So nutzen beispielsweise Aktienhändler häufig Optionen, um sich vor den Gefahren während der Veröffentlichung von Quartalszahlen zu schützen. Egal, ob der Händler in der Aktie Iong oder short ist, die Unternehmenszahlen können einen deutlichen Kurssprung nach oben oder nach unten mit sich bringen. Viele Händler schützen sich davor über den Kauf von Call- oder Put-Optionen. Dabei stehen diese Händler aber stets vor dem Problem, dass sie im Zweifelsfall nicht nur den jeweiligen Zeitwert einer Option mit bezahlen müssen, sondern dass viele Optionen im Vorfeld der Veröffentlichung von Quartalszahlen auch noch durch einen oftmals einsetzenden Anstieg der impliziten Volatilität besonders teuer werden. Das Gleiche gilt für Händler, die Positionen in Indexprodukten (Futures, ETFs) halten und sich beispielsweise vor Sitzungen der Notenbanken oder Verlautbarungen von Politikern absichern möchten. Auch hier helfen Weekly Options.

Weekly Options für Broker und Börsen

Die Nutzung von Weekly Options führt meist zu einem Anstieg der Handelsaktivitäten und somit auch zu einer höheren Generierung von Kommissionen (Broker) und Gebühren (Börse).
Bedenkt man, dass beispielsweise an der CBOE der Umsatz mit Weekly Options mittlerweile nahezu 20 Prozent der Gesamtumsätze abdeckt, wird deutlich, welches Potenzial sich hierdurch für Broker und Börsenbetreiber ergibt. Daher ist es nur zu verständlich, dass mittlerweile viele Börsen den Handel kurzlaufender Optionen in ihr Angebot aufgenommen haben. Im Extremfall führt dies sogar dazu, dass beispielsweise die in Amsterdam ansässige Optionsbörse NYSE Euronext bereits Daily Options mit einer Restlaufzeit von jeweils nur einem Tag in ihr Repertoire aufgenommen hat.

Weekly Options in Europa

Für US-Händler dürften sich Weekly Options in den kommenden Jahren zu einem wichtigen Handelsinstrument entwickeln und etablieren. Neben den Vorteilen und Handelsmöglichkeiten, die sich durch den Handel von Weekly Options ergeben, könnte dies auch zu einem gezielten Marketing von Brokern und Banken, aber auch einer den Handel nicht belastende Steuergestaltung von Seiten des Staates führen. Im letzten Punkt liegt auch die mögliche Krux für europäische Händler: Sollten sich die Regierungen der EU zu einer Einführung einer Börsentransaktionssteuer entschließen, könnte dies dem Handel kurzlaufender Optionen einen deutlichen Dämpfer verpassen, weil wohl jedwede kurzfristige Trading-Strategie unter einer solchen Steuer zu leiden hätte. Allerdings bleibt hier die weitere Entwicklung abzuwarten, schließlich wären andere Produkte hiervon ebenfalls betroffen.

Fazit

Mit der Einführung von Weekly Options ist es den US-Börsen gelungen, eine vollkommen neue und überaus interessante Handelsmöglichkeit mit Optionen zu schaffen. Trotz der auf den ersten Blick scheinbaren Nachteile, die der Handel in Hinblick auf die Gebührenbelastung mit sich bringt, sollte man die vielen positiven und ertragreichen Möglichkeiten, die der Handel dieser Optionen ermöglicht, nicht außer Acht lassen. Aktive Händler, aber auch langfristige Investoren, die gelegentlich Absicherungsmöglichkeiten mithilfe von Optionen suchen, finden mit Weekly Options eine hochinteressante Möglichkeit, sich entsprechend ihren jeweiligen Anforderungen am Markt zu engagieren.


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