Was sind Derivate?

Was sind Derivate? Diese Frage klärt das Börse Stuttgart TV im Interview mit Michael Bloss, Finanzbuchautor und EIFD-Direktor.

Wie kann man den Begriff Derivate klassifizieren bzw. definieren?
Ein Derivat hat immer einen Ursprung in einem Basiswert, dem so genannten Underlying. Als Beispiel wird eine Aktienanleihe genommen. Diese ist ein Derivat, weil es auf die Aktie begeben worden ist. Derivate können börslich, wie z.B. Termingeschäfte an der EUREX oder außerbörslich (OTC = over the counter) über einen Emittenten oder eine Bank, wie z.B. bei Optionsscheinen oder über einen Broker, der als Market Maker fungiert (z.B. CFDs) gehandelt werden.

Diese Produkte können ebenso wiederum ein Derivat als Underlying haben, z.B. Swapoptionen, die ein Swapgeschäft als Grundlage haben.

Derivate sind hochkomplexe Produkte. Nicht jedes ist für einen Privatanleger handelbar. Mittlerweile hat er aber zu einer sehr großen Produktpalette Zugang, so dass eine sehr große Auswahl vorhanden ist.

Die klassischen Derivate kommen aus dem Terminmarkt und waren ursprünglich nur für institutionelle Kunden vorgesehen. Für Banken und Versicherer ist heutzutage der Derivate-Handel ein riesiger Markt geworden. Wichtig ist er vor allem zum Hedgen von Positionen. Es geht dabei immer um die Absicherung eines Vertrages, der zu einem bestimmten Zeitpunkt, der in der Zukunft liegt, erfüllt werden soll. Typische Branchen sind die vom Lebensmittel produzierenden Gewerbe oder im Bereich der Öl-Derivate, z.B. für Fluggesellschaften. Der Handel und die Einsatzmöglichkeiten sind bei diesem riesigen Markt äußerst vielfältig.

Aufgrund der Komplexität der Produkte ist der Verlauf der Produkte auch sehr schwer vorhersehbar.

Im Zuge der Finanzkrise gab es auch das eine oder andere Derivat, welches schief gegangen ist. Es lag weniger an der Konstruktion des Produkts, sondern weil es in den besonderen Marktgegebenheiten nicht mehr funktionierte. Bestes Beispiel sind die Zertifikate von Lehman Brothers. Sie wurden mit der Pleite der Investmentbank wertlos. Nicht weil die Zertifikate falsch aufgebaut waren, sondern weil sie eine nachrangige Inhaberschuldverschreibung von Lehman Brothers waren, die nicht mehr bedient wurden.

Entgegen der öffentlichen Meinung unterliegt auch der Derivate Markt mittlerweile einer Regulierung. In den USA und in Europa wurde eine Clearing-Stelle geschaffen: CCP, Central Counterparty. In Deutschland ist dafür die Eurex Clearing AG zuständig.

Derviate sind ein notwendiger Bestandteil des Finanzmarktes. Sie bringen Liquidität in die Märkte wie z.B. mit Arbitrage-Geschäften und Risiken können besser abgesichert werden. Mit dem Wachsen des Derivate-Marktes ist es auch für den Privatkunden z.B. im CFD-Bereich möglich geworden, mit nur einem geringen Kapitaleinsatz in diesem Handel aktiv zu sein.

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