Was ist ein Ausübungspreis oder Strike Preis?

Der Ausübungspreis einer Option (Basis- oder Strike Preis) ist derjenige Preis, zu welchem der Halter den der Option zugrunde liegenden Basiswert am Ausübungstag kaufen oder verkaufen kann. Dieser Ausübungspreis hat im Derivatehandel nicht die implizierte praktische Bedeutung, weil in den seltensten Fällen der physische Basiswert gehandelt wird.

Wer als privater Trader eine Option auf Weizen kauft, will nicht am Ausübungstag eine Tonne Weizen zum Ausübungspreis kaufen. Es geht um den Barausgleich zwischen dem Ausübungspreis der Option und dem tatsächlichen Wert des Basiswertes (Underlying).




Wie entstanden Optionen mit ihrem Ausübungspreis?

Die heute zum Zwecke der Spekulation gehandelten Optionen in all ihren Formen haben ursprünglich den Sinn, sich gegen Preisschwankungen abzusichern. Sehr gern wird das Beispiel des Getreidehandels herangezogen, das aber genauso mit einem Rohstoff wie Öl, einer Aktie oder einem Forex-Paar funktioniert.

  1. Der Bauer möchte im Herbst seinen Weizen an den Händler für einen Preis von 180 Euro pro Tonne verkaufen. Im Frühjahr wissen weder der Bauer noch der Händler, wie sich der Preis in den kommenden Monaten entwickelt. Sie möchten sich aber vertraglich binden, damit auf beiden Seiten Kalkulationssicherheit herrscht. Also schließen sie einen Vertrag über die Lieferung von 100 Tonnen Weizen zum Preis von 180 Euro.
  2. Wenn der Weizenpreis fällt, wäre das nachteilig für den Händler. Er hätte den Weizen billiger beziehen können. Gegen diesen Nachteil sichert er sich mit einer Put-Option gegen den fallenden Weizenpreis ab. Diese ist preiswert zu erwerben und gewinnt durch ihre Hebelwirkung die Preisdifferenz zwischen dem tatsächlichen und dem vereinbarten Preis.
  3. Wenn der Weizenpreis steigt, wäre das nachteilig für den Bauern. Er hätte sein Getreide teurer verkaufen können. Dagegen sichert er sich mit einer Call-Option auf den steigenden Preis ab.

In der Praxis werden Optionen zu diesem Zweck tatsächlich gehandelt. Unternehmen sichern sich gegen Währungsschwankungen ab, Rohstoffhändler gegen steigende oder fallende Ölpreis, Schmuckhändler gegen fallende oder steigende Edelmetallpreise und so fort.

Bedeutung des Ausübungspreises für den Optionsscheinhandel

ausübungspreisIm reinen Derivatehandel hat der Ausübungspreis eine Bedeutung für den Kaufpreis und die Preisentwicklung einer klassischen Option. Diese ist zu unterscheiden von Binären Optionen, CFDs und Knock-outs, bei denen es diesen definierten Ausübungspreis nicht mehr gibt. Eine klassische Option hingegen wird danach unterschieden, ob ihr Ausübungspreis unter oder über dem aktuellen Preis des Basiswertes liegt. Wenn der Ausübungspreis einer Call-Option niedriger als der aktuelle Kurs des Basiswertes notiert, dann notiert die Option „aus dem Geld“ und ist damit sehr günstig zu erwerben, bewegt sich aber kaum. Sollte der Kurs des Underlyings hingegen unter den Strike der Option fallen, wird diese teurer, sie notiert nun „im Geld“ und bewegt sich stark. Darauf müssen Trader achten, wenn sie einen klassischen Optionsschein kaufen.

Warum gibt es den Ausübungspreis?

Der Ausübungspreis wurde mit der Entwicklung klassischer Optionen, wie sie heute noch gehandelt werden, definiert. Er hatte ursprünglich wirklich den Zweck, die 100 Tonnen Weizen zu einem bestimmten Preis und einem bestimmten Datum zu kaufen oder zu verkaufen. Optionen in diesem Sinne sind bedingte Termingeschäfte. Die bedingen ein Recht, aber keine Pflicht: Optionsinhaber können sich dafür entscheiden, die Option auszuüben oder auch nicht. Aus dieser juristischen Konstruktion entstand der Barausgleich am Optionsmarkt, der heute vorherrscht. Bei diesem Barausgleich wiederum kaufen die Kontrahenten die Option von einem Emittenten, der sie zum Ausübungspreis zurücknimmt. Das könnte für den Emittenten ein Verlustgeschäft werden, jedoch hedgt sich dieser a) durch den gleichzeitigen Verkauf von Call- und Put-Optionen (im obigen Beispiel also an den Bauern und an den Weizenhändler) sowie b) durch eigene Gegenpositionen, die seinen internen Gesamtmarkt absolut ausgleichen. Der Emittent verdient nur am Spread und gegebenenfalls an Gebühren.

Was muss ein Trader über den Ausübungspreis wissen?

Der private Trader, der wirklich noch klassische Optionen handelt, muss darauf achten, dass das Verhältnis zwischen deren Strike und dem Kurs des Basiswertes ihren Werteverlauf ganz entscheidend beeinflusst. Viele Trader interessieren sich für klassische Optionen, die weit aus dem Geld notieren und zu Centpreisen zu haben sind. Es gibt sogar eine Optionsscheinstrategie mit solchen Optionen, die „Out-of-the-Money-Call/Put“ Strategie. Es ist zu beachten, dass sich diese Optionen mit einem Preis aus dem Geld kaum bewegen. Bei hoher Volatilität am Markt und einem Lauf ins Geld können sie allerdings deutlich über 1.000 Prozent gewinnen.


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