Put-Call-Ratio und Sentiment

Die Put-Call-Ratio ist ein für längerfristig orientierte Trader wichtiger Indikator, der durch Börsen wie Frankfurt errechnet wird. Er misst die Relation zwischen Verkaufs- und Kaufaktivitäten und bildet daher ein Sentiment ab, also die am Markt vorherrschende Stimmung. Für das Trading können die Werte der Eurex sehr interessant sein, die es für Indizes oder Einzelaktien gibt. Die Put-Call-Ratio ist freilich für das Trading am aussagekräftigsten, wenn recht viel gehandelt wird.

Wie nutze ich die Put-Call-Ratio für das binäre Optionen Trading?

Wie die Zahl, die sich durch das Teilen der Zahl von Verkaufsoptionen durch Kaufoptionen ergibt (beachte: nicht der Umsätze), zu interpretieren ist, bleibt umstritten. Wenn es sich um die tatsächlichen Umsätze handeln würde, bräuchte man diese Kennziffer nicht, denn diese Umsätze schlagen sich unmittelbar im Kurs nieder. Es geht vielmehr darum, dass unter Umständen viele Anleger auf Puts und damit auf fallende Kurse setzen, weniger Anleger auf Calls und damit das Steigen des Kurses. Dennoch können wenige große Investoren mit hoch kapitalisierten Calls den Kurs nach oben treiben, was dem durch die Put-Call-Ratio ermittelten Sentiment zuwiderlaufen würde. Dieses Sentiment kann sich beispielsweise zwischen 0,5 (sehr optimistischer Markt) und 1,5 (sehr pessimistischer Markt) bewegen, natürlich sind auch extremere Werte möglich. Die Bewertung hängt auch vom Underlying ab: Bei Indizes werden häufig Puts zum Hedging gekauft, bei Aktien seltener.

Daher geht man bei Aktien erst bei einer Put-Call-Ratio von 0,3 von großem Optimismus aus, über 0,7 kippt die Stimmung schon ins Negative. Die Interpretation für das eigene Trading kann sehr wertvoll sein, gilt aber als heikel. Der Hintergrund: Zunächst einmal hängt der ermittelte Wert stark von der Liquidität des Marktes und auch der Art der Marktteilnehmer ab. Viele kleine Trader mit vielen Puts verursachen eine hohe Put-Call-Ratio und können doch nichts gegen die riesengroße Position eines einzelnen kapitalstarken Investors bewirken. Solche Ungereimtheiten gibt es massenhaft, etwa durch saisonale Einflüsse wie in der Dividendensaison. Ein anderer Grund liegt in der Interpretation des Sentiments: Eine klassische Faustregel nutzt dieses als Kontraindikator und geht bei einer sehr schlechten Stimmung – mithin einer hohen Put-Call-Ratio – von demnächst steigenden Kursen aus. Deshalb wurde der Wert auch als Put-Call-Ratio und nicht umgekehrt als Call-Put-Ratio aufgebaut. Auf den ersten Blick verleitet nämlich ein hoher Wert über 1,0 eher zum Kauf, und das ist auch so gewollt. Bei dieser mathematischen Ermittlung des Sentiments gilt wie an vielen anderen Stellen im Trading: Was die Masse der Anleger denkt, ist meistens verkehrt. Die Masse der Anleger verliert überwiegend an den Börsen.

Sentiment und das binäre Optionen Trading

Die Bedeutung des Sentiment als Kontraindikator für das Trading ist, wie eingangs erwähnt, eher etwas für die mittel- bis langfristige Betrachtung. Diese Funktion ist oft verblüffend zuverlässig, aber wiederum vor allem dann, wenn eine große Masse von Kleinanlegern auf einen fahrenden Zug aufspringen möchte, damit einen lebhaften und auch liquiden Markt verursacht und zudem hervorragende Werte für die Ermittlung einer Put-Call-Ratio liefert. Es ist der Moment, in welchem die BILD-Zeitung in fetten Lettern bekannt gibt, dass der Goldkurs oder die Aktienmärkte steigen. Noch die letzte Hausfrau kümmert sich dann wieder um das verstaubte Aktienportfolio, kauft freudig ein, verursacht eine Hausfrauenrallye und lässt erfahrene Trader still die Call-Positionen auflösen. Kurz darauf bricht der Markt ein, denn erfahrene Trader sind vielfach hoch kapitalisierte Trader. Die Put-Call-Ratio konnte dies prognostizieren: Das Sentiment war prächtig, der Markt brach ein. Jedoch spielen hierbei so viele Umstände eine Rolle, dass sich kein Trading allein auf die Put-Call-Ratio und das hiervon abgeleitete Sentiment stützen sollte. Noch weniger kann die Put-Call-Ratio beim sehr kurzfristigen Trading behilflich sein, etwa beim Trading nach Tagescharts mit dem Zeithorizont von ein bis zwei Wochen oder gar beim Daytrading.

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