Geldanlage: Deutsche verlieren durch Niedrigzinsen

Die Geldanlage der Deutschen vernichtet immer signifikanter Vermögenswerte. Das hat die DZ Bank in einer aktuellen Studie nachgewiesen. Demnach kostet die gegenwärtige Niedrigzinsphase jeden erwachsenen Deutschen durchschnittlich rund 280 Euro jährlich, obgleich auch Kredite viel günstiger geworden sind. Bei der Geldanlage zahlen die Bürgerinnen und Bürger nach Ermittlungen der DZ Bank eindeutig zu.

Geldanlage: Verluste der letzten fünf Jahre

geldanlage niedrigzingenDie DZ Bank legte bei ihren Berechnungen die Renditen bei einer durchschnittlichen Geldanlage über die letzten fünf Jahre zugrunde, also zwischen Anfang 2010 bis Anfang 2015. So lange dauert die Niedrigzinsphase schon an, wobei in dieser Zeit die Zinsen immer weiter sanken. Es handelt sich also um Durchschnittswerte, die für den gesamten Zeitraum einen Verlust auf die “normale” Geldanlage – dazu zählen auch Tages- und Festgeldkonten – auf 1.400 Euro pro Sparer beziffert werden. Dabei sind die Einsparungen durch günstige Kredite schon gegengerechnet.

Bei dieser Rechnung legte die DZ Bank Vergleichswerte aus früheren Jahren und Jahrzehnten zugrunde. Auf dieser Basis bezifferten die Experten die jüngsten Verluste bei der Geldanlage infolge der expansiven EZB Politik auf den Wert von 2.800 Euro pro Haushalt mit zwei Verdienern (= Anlegern) oder 1.400 Euro pro erwachsener Person mit Einkünften. Dazu zählen also auch Azubis, Rentner, Studenten oder Hausfrauen mit Taschengeld. Selbst Arbeitslose könnten ein kleines Sparkonto führen. Der Gesamtverlust für alle Deutschen dürfte sich nach dieser Expertise auf etwa 112 Milliarden Euro belaufen – das ist wahrlich teuer für eine Geldanlage, die zwar per se der Vorsorge dient, jedoch dabei nun wirklich keine Verluste produzieren soll.

Wie hat die Bank die Geldanlage kalkuliert?

Grundsätzlich unternimmt jeder Bürger in irgendeiner Form eine Geldanlage und verschuldet sich. Das ist ein hypothetisches Modell: Wer regelmäßige Einkünfte bezieht und diese nicht sofort vollständig aufbraucht, verfügt über eine Geldanlage – selbst wenn das Geld auf einem Girokonto gar keine Zinsen bringt oder bar gehortet wird. Wer im Gegenzug Mieter ist oder einen Telekommunikationsvertrag abgeschlossen hat, verschuldet sich hierbei. Die Mehrheit aller Bürgerinnen und Bürger verfügt auch über eine reale Geldanlage in Form eines kleinen Tages- oder Festgeldkontos, eines Sparbuches, einer kleinen Wertpapieranlage oder auch eines mit Minizinsen versehenen Giro- oder Kreditkartenkontos.

Dem stehen kleine und größere Kredite entgehen, sei es die Ratenzahlung für eine Waschmaschine, sei es der Eigenheim- oder Kfz-Kredit. Auf beide Seiten dieser Medaille, die Geldanlage und den Kredit, sanken nun durch die immer niedrigeren EZB-Leitzinsen (Frühjahr 2015: 0,05 %) und die Anfang des Jahres 2015 begonnene expansive Geldpolitik der EZB (Anleiheaufkaufprogramm) die Zinsen. Bei der Geldanlage erhalten die Bürgerinnen und Bürger zu wenige Zinsen, bei Krediten zahlen sie immer weniger Zinsen. Jedoch übersteigt die Geldanlage der Deutschen ihre Kredite bei Weitem – der Zinsverlust hier wird durch den Zinsgewinn bei Krediten also längst nicht ausgeglichen, obgleich doch die Kreditzinsen diejenigen der Geldanlage fast durchweg übersteigen. Diese Vor- und Nachteile hat die DZ Bank nun gegeneinander abgewogen und mit den Vorteilen durch eine Geldanlage in früheren Zeiten verglichen. Dabei ergaben sich die erwähnten Werte.

Geldanlage: Wo wird das meiste Geld verloren?

Sparbücher und sonstige Bankeinlagen, Rentenpapiere, Rentenfonds und Lebensversicherungen sind die größten Verlustbringer, wie der DZ-Volkswirt Michael Stappel analysiert. Die Verluste bei Versicherungsprodukten bezifferte er in seiner Analyse auf 47,5 Milliarden Euro für die Jahre 2010 bis 2014. Die DZ Bank steht mit dieser Analyse zur Geldanlage nicht allein da, auch der Ifo Chef Hans-Werner Sinn beklagte Ende 2014 die mangelnden Renditeaussichten bei nahezu jeder Form der Geldanlage in Europa. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Referenzwert beim Zinsniveau.

Volkswirt Stappel hatte sich die Zinsentwicklung ab den 1950er Jahren angesehen, die anfangs sogar durch eine absolute Hochzinsphase geprägt gewesen war. Diese ließ der Experte außen vor, er kalkulierte als Referenz mit den vergleichsweise moderaten Zinsen zwischen 1998 bis 2008, die sich durchschnittlich auf 4,2 % belaufen hatten. Gegenwärtig könne bei einer Geldanlage durchschnittlich nur noch mit 1,1 % kalkuliert werden, so Stappel – daraus ergäben sich die Verluste.


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