Eine Option ausüben

Das Ausüben einer Option ist der Hintergrund, warum sie mit einer so großen Hebelwirkung versehen ist. Der Halter der Option hat das Recht (nicht die Pflicht), den Basiswert zum Ausübungspreis zu kaufen oder zu verkaufen.

Ausübungsrechte anhand von Beispielen

optionen ausübenWer eine Call Option auf eine Aktie mit einem Basispreis von 40 Euro kauft, kann am Ausübungstag = Verfallstag der Option (europäisch) oder jederzeit (amerikanisch) diese Aktie für 40 Euro kaufen, auch wenn sie bereits viel höher im Kurs gestiegen ist. Sollte sie inzwischen 120 Euro kosten, hätte der Optionshalter 200 % Gewinn erwirtschaftet. Der Stillhalter ist der Verkäufer der Call Option, er muss die Aktie zum Preis von 40 Euro liefern oder einen Barausgleich für die Option vornehmen. Bei einer Put Option zum Basispreis von 40 Euro darf der Halter die entsprechende Aktie für 40 Euro verkaufen, auch wenn sie inzwischen nur nohc 10 Euro wert ist. Wiederum muss der Stillhalter die Aktie zum Ausübungspreis abnehmen oder für den Barausgleich sorgen.

Wie findet die Ausübung statt?

Eine tatsächliche Ausübung in Form der Übergabe von Aktien oder gar tonnenweiser Rohstoffe findet aber nur noch äußerst selten statt. Der Barausgleich ist das Mittel der Wahl. Er bedeutet, dass die Option „glattgestellt“ wird. Sie wird an ihren Emittenten zurückverkauft, der sie zum jeweiligen tagesaktuellen Preis zurücknehmen muss. Das ist jederzeit auch vor ihrer Endfälligkeit möglich. Das wirkliche Ausüben der Option wäre die tatsächliche Lieferung oder der Bezug des Underlyings, also des zugrunde liegenden Basiswertes. Hierbei wird die europäische von der amerikanischen Ausübung unterschieden. Diese Unterscheidung hat nichts mit dem Ort zu tun, an dem die Option gehandelt wird. Die in Europa gehandelten Optionen werden heute meistens amerikanisch ausgeübt. Die Option mit europäischer Ausübung darf nur am Verfallstag endfällig ausgeübt werden. Die amerikanische Option kann jederzeit ausgeübt werden. Als Eselsbrücke merken sich die Anleger das „E“ in der „Europäischen Ausübung“ für das „Ende“ der Laufzeit.

Wer übt Optionen aus?

In der Realität können Industrieunternehmen ihre Optionen auf Rohstoffe durchaus ausüben, um große Mengen an Öl oder Kupfer zu einem günstigen Preis zu beziehen. Banken könnten ihre Optionen auf Aktien oder Devisen ausüben. Jedoch ist der praktische Barausgleich, den der private Trader in jedem Fall vornimmt, auch für diese Unternehmen vorzuziehen, weil er in elektronischer Form durch reine Geldüberweisungen abgewickelt wird und in finanzieller Hinsicht dasselbe bewirkt wie das reale Ausüben einer Option. Dass es jedoch nach wie vor reale Ausübungen gibt, lässt sich beispielsweise an den Clearing-Vorschriften der Derivatebörse Eurex ablesen. Diese beschreiben das Ausüben von Long Call-Positionen in Aktien (Inhaber verlangt Lieferung des Basiswertes) und Long Put-Position (Inhaber verlangt Verkaufsrecht für die Aktie).

Des Weiteren wird die Ausübung von Optionen auf Futures beschrieben, die bedeutet, dass der Inhaber zum Basispreis im Futures-Kontrakt eine Long- oder Short-Position eröffnen kann. Bei Index-Optionen darf der Inhaber zum Zwecke der Ausübung den Barausgleich verlangen, und zwar im American Style an jedem Handelstag und im European Style nur am letzten Handelstag. Der Stillhalter der Option muss auf Verlangen den Basiswert liefern oder abnehmen. Hierzu wird im von der Eurex der entsprechende Basiswert (zum Beispiel eine Aktie) zugeteilt. Die Eurex Clearingstelle verweist darauf, dass der Moment der Zuteilung nicht zu bestimmen ist. Für eine gerechte Verteilung von Zuteilungen nutzt Eurex Clearing bestimmte Zufallsverfahren. Es gibt auch eine automatische Ausübung an der Eurex. Diese funktioniert am Verfallstag dergestalt, dass der Optionshalter automatisch den Betrag für seine Option erhält.

Es handelt sich also eigentlich um einen Barausgleich. Für private Trader ist das insofern interessant, als dass sie sich um eine Option nicht unbedingt kümmern, sie selbstständig verkaufen/ausüben oder sie mit einem Stopp versehen müssen. Sie wird spätestens am Verfallstag automatisch abgerechnet, das Ergebnis ist im Traderkonto etwa zwei bis drei Tage später sichtbar.


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