Binäre Optionen und der Umgang mit Verlusten

Dax Trade PyramidisierenTrader stehen regelmäßig vor dem Dilemma, ihre Positionsgröße und ihr Stopplossmanagement einem gewissen Risikoprofil unterwerfen zu müssen: Entweder riskieren sie wenig und gewinnen dann auch wenig, oder sie setzen recht viel ein – an Kapital und an großzügigen Stopps – und riskieren damit hohe Verluste.

Trader aller Altersstufen tendieren zur zweiten Methode, denn das Handeln im gedrosselten Gang erscheint ihnen zu langweilig. Tatsächlich wird Langeweile als Hauptproblem auch ausgewiesener Profitrader beschrieben.

Wieso ist Trading langweilig?

Der psychologische Zustand der Langeweile hat etwas sehr Bemerkenswertes an sich, denn normalerweise muss es keinem Menschen auf dieser Welt in keiner Situation jemals langweilig sein. Wir werden von Informationen, Erinnerungen, Gefühlen und Plänen geradezu überflutet, wie kann da Langeweile aufkommen? Dennoch gibt es sie. An der Börse erscheint sie besonders absurd, denn hier gibt es die weitaus meisten Gelegenheiten und damit Entscheidungsmuster. Langeweile entsteht jedoch in Wahrheit dann, wenn Menschen das Gefühl bekommen, ihr Schicksal nicht mehr in der Hand zu haben, und das ist leider beim Trading ein Dauerzustand. Schließlich laufen die Kurse absolut ohne unser Zutun weiter, in vielen Fällen zwingen sie uns schlicht zum Abwarten. Wenn dann etwas passiert, versetzt das dem Trader einen Kick, der umso größer ausfällt, je mehr Risiko er auf sich nimmt. Das verleitet zu großen Positionen, Overtrading und weiten Stopps, damit das Spiel recht lange laufen kann.

Wenn das Geld alle ist

Der Frust, wenn echtes Tradingkapital aufgebraucht wurde, ist zwangsläufig unbeschreiblich hoch. Das sollte jeder Trader in keiner Sekunde vergessen: Er hat nur begrenzte Ressourcen an Kapital und Lebenszeit, um nötigenfalls auf anderen Wegen neues Geld zu verdienen, das er wieder beim Trading verspielen kann. Daher heißt die Grundregel Nummer eins: Begrenze deine Verluste! Es ist keinesfalls so, dass es „mal Verlust, mal Gewinn“ gibt, sondern es kann überwiegend Verluste geben, die das Kapital in kurzer Zeit effektiv vernichten. Bei den meisten Freizeittradern ist das der Normalfall, sie können trotzdem nicht von ihrem Spiel (ihrer Spielsucht!) lassen. Zu unterscheiden ist nun der wirkliche, monetäre und auch prozentual aufs Gesamtkapital bezogene Verlust vom einfachen Fakt, gewonnen oder verloren zu haben (der binären Betrachtungsweise). Hier scheiden sich die Geister, denn die Trader „hassen es zu verlieren“, „lieben es zu gewinnen“ und vergessen es leider, nachzurechnen. Eines der häufigsten Statements wirklich erfolgreicher Trader lautet aber, dass sie viele kleine Verluste und Gewinne erleben, bis ein einziger, großer Gewinn nach einem Ausbruch mit nachfolgendem Trend erfolgt. Das ist psychologisch schwer auszuhalten. Um hier handfeste Zahlen zu nennen, seien Joe Ross und Georges Soros zitiert, die völlig unterschiedlich ans Trading herangehen: Beide alten Männer erwähnen übereinstimmend, dass es bestenfalls zwei- oder dreimal monatlich so einen Ausbruch plus Trend gibt. Der Rest der Zeit ist Positionieren und Abwarten.

Empfehlungen zum Risikomanagement

Trader, die handeln und dennoch ihr Risiko vernünftig begrenzen wollen (maximal zwei Prozent vom Gesamtkapital pro Trade), können drei Strategien verfolgen: Pyramidisieren, gefächerte Verlustbegrenzungsstopps und Hedging. Das Management dieser Strategien ist komplex, aber es lohnt sich.

  • Pyramidisieren: Der Trader glaubt an eine bestimmte Richtung, das ist in Ordnung. Er möge nun in diese Richtung mit einer bestimmten, unter Berücksichtigung seines Gesamtkapitals vertretbaren Position einsteigen, wobei er nur einen Bruchteil des Kapitals setzt. Es kann die Hälfte, besser aber ein Drittel oder ein Viertel sein. Wenn die Richtung sich fortsetzt, stockt er die Position auf. Der Einstiegspunkt verschiebt sich dadurch in Kaufrichtung, jedoch hedgt schon die erste eingegangene Position die nachfolgenden, denn sie befindet sich beim zweiten Kauf schon im Plus.
  • Verlustbegrenzungsstopps fächern: Niemand weiß, wie sich ein Kurs weiterentwickelt. Also werden mehrere Stopps (empfohlen: drei) für eine eingegangene Position anfangs sehr knapp gesetzt und mit fortschreitendem Kurs aufgefächert, also immer weiter auseinandergezogen, um Rückschlägen der im Gewinn befindlichen Position immer mehr Luft zu geben. Beim Daytrading werden die Stopps am Abend wieder zusammengezogen (der Fächer wird zugeklappt), um den Gewinn effektiv mitzunehmen.
  • Hedging: Die Hauptrichtung kann natürlich mit einer kleineren Position in Gegenrichtung gehedgt werden. Das schmälert manchmal den Gewinn, bei Rückschlägen jedoch kann auch der Hedge etwas verdienen.

Das Management dieser drei Strategien ist nicht einfach! Erfolgreiche Trader handeln aber so.

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